Hauptaktion
Guter Unterricht
Guter Unterricht zeigt sich nicht primär am Talent der Lehrperson oder an der Ausstattung des Schulhauses, sondern an den konkreten Prozessen und Interaktionen, die während der Lektion sichtbar und erlebbar sind.
Merkmale auf der sichtbaren Ebene
(Oberflächenstruktur)
Diese Merkmale erkennt man meist schon nach wenigen Minuten Beobachtung im Klassenzimmer:
Echte Lernzeit & Klassenführung
Der Unterricht beginnt pünktlich, Übergänge zwischen Sozialformen laufen reibungslos und Störungen werden unaufgeregt und präventiv abgefangen. Die zur Verfügung stehende Zeit wird maximal für eigentliche Lernaktivitäten genutzt.
Klärende Orientierung & Strikte Zieltransparenz
Lernende wissen zu jedem Zeitpunkt, was sie tun, warum sie es tun und woran sie erkennen, dass sie erfolgreich waren (klare Kriterien und Ziele).
Kognitiv aktivierende Lernumgebung
Materialien sind barrierefrei zugänglich, Aufgabenstellungen sind klar formuliert und die Arbeitsumgebung lädt zum konzentrierten Handeln ein.
Merkmale auf der unsichtbaren Ebene
(Tiefenstruktur)
Hier entscheidet sich, ob Lernen wirklich stattfindet. Diese Merkmale zeigen sich in der Art des Denkens und der Interaktion:
Kognitive
Aktivierung
Unterricht ist dann gut, wenn nicht nur die Lehrperson denkt, sondern die Gehirne der Schüler:innen arbeiten. Das zeigt sich an vertiefenden Fragen, dem Verknüpfen von Vorwissen mit neuem Stoff und der Auseinandersetzung mit echten Problemen (statt reinem Auswendiglernen).
Formatives Feedback & Sichtbares Lernen
Fehler werden nicht als Makel gesehen, sondern als wertvolle Lernchancen. Es findet ein kontinuierlicher Austausch statt: Wo stehe ich? Wie komme ich weiter? Was ist der nächste Schritt?
Inhaltliche Klarheit & Strukturierung
Der rote Faden der Lektion ist logisch. Komplexe Inhalte werden verständlich heruntergebrochen, ohne an fachlicher Korrektheit einzubüssen.
Intelligentes Üben & Binnendifferenzierung
Es gibt nicht nur eine Aufgabe für alle. Passende Vorgehensweisen und Anforderungsniveaus ermöglichen es sowohl leistungsschwächeren als auch hochbegabten Lernenden, in ihrer „Zone der nächsten Entwicklung“ zu arbeiten.
Das soziale & emotionale Unterrichtsklima
Lernen ist ein emotionaler und sozialer Prozess. Guter Unterricht zeichnet sich durch eine spezifische Beziehungsdynamik aus:
Positives Fehlerklima & Fehlerkultur
Schüler:innen trauen sich, Unsicherheiten zu äussern, Fragen zu stellen und falsche Antworten zu geben, ohne Angst vor Beschämung oder Notendruck haben zu müssen.
Wertschätzende Resonanz
Der Umgangston zwischen allen Beteiligten ist von gegenseitigem Respekt, Humor und echter Zugewandtheit geprägt. Die Schüler:innen fühlen sich gesehen und ernst genommen.
Hauptakteur
Gute Lehrperson
Eine gute Lehrperson zeichnet sich in der modernen Bildungsforschung nicht durch ein angeborenes „Super-Talent“ oder einen bestimmten Persönlichkeitstyp aus, sondern durch spezifische professionelle Kompetenzen, Haltungen und Verhaltensweisen.
Die Merkmale lassen sich in vier zentrale Dimensionen gliedern:
Klassenführung & Didaktik
Gute Lehrpersonen steuern Unterrichtsprozesse vorausschauend und strukturiert:
Präsenz & Allgegenwärtigkeit
Sie haben den gesamten Raum im Blick, nehmen Störungen frühzeitig wahr und reagieren darauf unaufgeregt und präventiv, bevor der Lernfluss unterbrochen wird.
Didaktische Flexibilität
Sie verfügen über ein breites Methodenrepertoire und können bei Bedarf spontan den Plan anpassen, wenn sie merken, dass die Klasse etwas noch nicht verstanden hat.
Klare Erwartungen & Transparenz
Sie kommunizieren Ziele, Regeln und Beurteilungskriterien so, dass die Lernenden jederzeit wissen, woran sie sind.
Beziehungsebene
Nach den Erkenntnissen der Pädagogik und Neurowissenschaft ist die Beziehung die Grundlage jedes Lernerfolgs:
Kognitive Empathie & Resonanz
Sie sehen die Welt durch die Augen der Lernenden, spüren Über- oder Unterforderung und spiegeln den Schüler:innen emotionale Sicherheit wider.
Pos. Grundeinstellung & Hohe Erwartungen
Sie glauben an das Entwicklungspotenzial jedes Kindes (keine Schubladenpädagogik) und trauen den Lernenden auch anspruchsvolle Aufgaben zu.
Wertschätzende Autorität
Sie führen nicht durch Machtdemonstration oder Angst, sondern durch Beziehungsarbeit, Verlässlichkeit und klare Grenzen (im Sinne der Neuen Autorität)
Reflexionsfähigkeit
Gute Lehrpersonen evaluieren ihre Wirkung fortlaufend.
Fokus auf eigene Wirkung
Sie fragt sich bei Misserfolgen nicht primär: „Warum haben die Schüler das nicht verstanden?“, sondern: „Wie muss ich meinen Unterricht anpassen, damit sie es verstehen?“ (John Hatties Credo: Know Thy Impact).
Konstruktive Fehlerkultur für sich selbst
Sie ist bereit, eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen, Feedback von Schüler:innen oder Kolleg:innen einzuholen und Fehler offen einzugestehen.
Fachliche & Fachdidaktische Tiefe
Die Schüler:innen merken schnell, wie wichtig und bedeutend der vermittelte Lerninhalt für die Lehrperson ist.
Tiefes Fachwissen & Begeisterung
Sie beherrschen den Stoff nicht nur, sondern brennen dafür. Dieses Engagement wirkt ansteckend auf die Lernenden.
Übersetzungskompetenz (De-/Rekodierung)
Sie sind in der Lage, hochkomplexe Sachverhalte in die Lebenswelt der Schüler:innen zu übersetzen, ohne die fachliche Richtigkeit zu verwässern.
Hauptszene
Gute Schule
Kultur &
Miteinander
Schulkima
Eine gute Schule ist ein sicherer, wertschätzender und anregender Lebens- und Lernraum für alle Beteiligten.
Führung & Professionalität
Schulleitung & Kollegium
Eine wirksame Schule wird professionell gesteuert und basiert auf Kooperation.
Schulentwicklung & Qualitätsmanagement
Die lernende Organisation
Eine gute Schule ruht sich nicht auf Erreichtem aus, sondern entwickelt sich datengestützt weiter.
Kultur & Miteinander
Schulklima
Sicherheits- und Zugehörigkeitsgefühl
Schüler:innen und Lehrpersonen kommen gerne an die Schule. Es herrscht eine Atmosphäre der physischen und psychischen Sicherheit, in der Mobbing aktiv vorgebeugt und entgegengewirkt wird.
Geteiltes pädagogisches Ethos
Das Kollegium zieht an einem Strang. Es gibt ein gemeinsam getragenes Bild davon, was gutes Lernen bedeutet, wie mit Vielfalt (Inklusion, Neurodivergenz, Transkulturalität) umgegangen wird und wie Werte vorgelebt werden.
Erziehungspartnerschaft
Eltern und Erziehungsberechtigte werden nicht als „Kunden“ oder „Gegner“, sondern als verlässliche Partner im Entwicklungsprozess der Kinder eingebunden und informiert.
Führung & Professionalität
Schulleitung & Kollegium
Pädagogische Schulleitung
Die Schulleitung verwaltet nicht nur Budgets und Stundenpläne, sondern setzt klare pädagogische Schwerpunkte, stärkt ihr Team und fördert die Unterrichts- und Personalentwicklung aktiv.
Kollektive Wirksamkeitserwartung
Das Kollegium ist davon überzeugt, dass es gemeinsam auch unter schwierigen Rahmenbedingungen bei allen Schüler:innen Lernerfolge erzielen kann.
Kultur der Kooperation
Lehrpersonen arbeiten nicht als isolierte „Einzelkämpfer“, sondern tauschen sich in Fachteams aus, hospitieren gegenseitig im Unterricht und entwickeln Materialien gemeinsam.
Schulentwicklung & Qualitätsmanagement
Die lernende Organisation
Fokus auf Wirkung & Daten
Schulentwicklung basiert nicht auf kurzfristigen Trends, sondern auf der ehrlichen Evaluation des eigenen Handeins („Erreichen wir mit unseren Massnahmen die Ziele bei den Lernenden?“).
Verlässliche Strukturen & Transparenz
Abläufe, Krisenpläne, Kommunikationswege und Reglements sind klar definiert, transparent und für alle nachvollziehbar.
Gezielte Personal- und Teamentwicklung
Fortbildungen orientieren sich am konkreten Entwicklungsbedarf der Schule und des Kollegiums (z. B. Prozessbegleitung statt punktueller „Häppchen-Kurse“).
Quellen & Literaturempfehlungen
Eine lebendige Lernlandschaft – die Schule als Ganzes – entsteht durch das Zusammenspiel aller Akteure. Das Bewusstsein für den eigenen Einfluss auf Lernende und das Kollegium kann die persönliche Professionalität stärken und so die Entwicklung einer guten Schule fördern. Diese Seite versteht sich als Inspiration, gespeist aus den nachfolgenden Quellen. Sie sollen allen Beteiligten im Schulwesen als Startpunkt dienen, um eigene Ideen zu entwickeln und neue Wege zu gehen.
Lehren & Lernen sichtbar machen
Dieser praxisnahe Leitfaden bringt die zentralen Erkenntnisse aus über 30 Jahren Bildungsforschung von John Hattie prägnant auf den Punkt. Anschaulich illustriert zeigt er in zehn Kapiteln auf, wie Lehrpersonen ihre eigene Wirksamkeit gezielt steigern, Lernprozesse sichtbar machen und die Schulkultur nachhaltig stärken können. Adaptiert für den deutschsprachigen Raum und ergänzt um eine Übersicht der 100 wichtigsten Einflussfaktoren, dient das Buch als kraftvoller Impulsgeber für die individuelle Reflexion, kollegiale Lerngemeinschaften sowie die Schulentwicklung.
Hattie - für gestresste Lehrer
Das Buch ist eine evidenzbasierte Absage an den erschöpfenden Aktionismus im Schulalltag. Zierer zeigt auf Basis der Hattie-Studie, dass ständige Strukturreformen und Arbeitsüberlastung keine Unterrichtsqualität erzeugen, sondern die sichtbare Haltung der Lehrkraft der eigentliche Schlüsselfaktor ist. Erst die gezielte Konzentration auf wirksame Kernfaktoren – wie gelingendes Feedback, klare Beziehungsgestaltung und reflektiertes Handeln – entlastet Pädagogen spürbar und macht Lernerfolge sichtbar.
Störungen in der Schulklasse
Dieser langjährig erfolgreiche und vollständig überarbeitete Ratgeber zeigt praxisnah, wie Lehrpersonen alltäglichen Unterrichtsstörungen wirksam begegnen können. Der Autor verdeutlicht, dass erfolgreiche Klassenführung ein erlernbares Handwerk ist: Nachhaltige Disziplin entsteht nicht durch Disziplinierung, sondern durch durchdachte Präventions- und Interventionsstrategien. Das Buch bietet fundierte Ursachenanalysen, konkrete Handlungsoptionen für wiederkehrende Konflikte sowie wertvolle Impulse zur Stärkung der Eltern-Lehrer-Kommunikation.
Lob der Schule
Das Buch ist eine evidenzbasierte Absage an den erschöpfenden Aktionismus im Schulalltag. Zierer zeigt auf Basis der Hattie-Studie, dass ständige Strukturreformen und Arbeitsüberlastung keine Unterrichtsqualität erzeugen, sondern die sichtbare Haltung der Lehrkraft der eigentliche Schlüsselfaktor ist. Erst die gezielte Konzentration auf wirksame Kernfaktoren – wie gelingendes Feedback, klare Beziehungsgestaltung und reflektiertes Handeln – entlastet Pädagogen spürbar und macht Lernerfolge sichtbar.
Raus aus der Ohnmacht
Dieses Praxisbuch bietet eine zeitgemäße Antwort auf den Wandel klassischer Autoritätsstrukturen im Schulalltag. Es zeigt auf, wie Lehrpersonen durch das Konzept der „Neuen Autorität“ eine starke, beziehungsorientierte Haltung entwickeln, um herausforderndem Verhalten und schwindendem Respekt wirksam zu begegnen. Anhand konkreter Praxisbeispiele verdeutlicht der Leitfaden, wie eine positive Lernatmosphäre entsteht und Pädagogen im Schulalltag spürbar entlastet werden.
Prinzip Menschlichkeit
In diesem Werk widerlegt Bauer die These vom ausschliesslich egoistischen und auf Konkurrenz ausgerichteten Menschen (wie dem „egoistischen Gen“). Stattdessen belegt er neurobiologisch, dass Kooperation, Empathie und Bündnisberechtigung die zentralen Triebkräfte der menschlichen Natur sind. Unser Gehirn schüttet Glückshormone aus, wenn wir soziale Anerkennung und Gemeinschaft erfahren. Das Buch plädiert für ein neues Menschenbild, das Kooperation über das reine Ellenbogendenken stellt.
Wertschätzende Schulleitung
Dieses kraftvolle Buch ist eine leidenschaftliche Absage an die traditionelle Abwertungs- und Defizitkultur unserer Schulen. Burow beweist wissenschaftlich fundiert, dass echte Wertschätzung und positive Gefühle keine netten Extras sind, sondern die elementaren Katalysatoren für Spitzenleistung, Wohlbefinden und Energie im Kollegium. Mit dem praxiserprobten „Leadership-Kompass“ liefert er ein simplexes Steuerungswerkzeug, das Salutogenese, Selbstbestimmung und wertschätzende Schulentwicklung genial miteinander verbindet. Ein visionärer Leitfaden für alle, die Schule und Unterricht im digitalen Zeitalter mutig neu erfinden wollen.
